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Korrosion / Verschlammung

Facility Management: Heiztechnik » Wärmeerzeugung » Sicherheits- & Risikofaktoren » Korrosion / Verschlammung

Korrosion und Verschlammung in Heizungsanlagen – Anlagenintegrität, Energieeffizienz und Betreiberpflichten

Korrosion und Verschlammung in Heizungsanlagen – Anlagenintegrität, Energieeffizienz und Betreiberpflichten

Korrosion und Verschlammung zählen zu den bedeutsamsten schleichenden Alterungs- und Störmechanismen in Heizungsanlagen, weil sie unbemerkt fortschreiten und sich meist erst durch Effizienzverluste oder wiederkehrende Ausfälle bemerkbar machen. Im schlimmsten Fall führen sie zu Leckagen, Ausfall des Wärmeerzeugers, Pumpenschäden oder unkontrollierten Ablagerungen an Bauteilen. Im Facility Management sind diese Risiken beherrschbar: Durch norm- und herstellerkonforme Wasseraufbereitung (VDI 2035), kontinuierliche Betriebsüberwachung (Druckdifferenzen, Temperaturspreizungen, Leitfähigkeit/pH, Schmutzfracht) und eine dokumentierte Instandhaltungskette (z. B. Spülen, Filtration, Schlammabscheidung, kontrollierte Nachspeisung, Entgasung und ggf. Inhibitorik) lassen sich Schäden vermeiden. Alle Maßnahmen werden revisionssicher dokumentiert, um gesetzlichen Betreiberpflichten, Gewährleistungsanforderungen und Lebenszyklusvorgaben gerecht zu werden.

Korrosion und Verschlammung in Heizungsanlagen

Korrosionstypen in Heizungsanlagen

Korrosionsangriffe in Heizsystemen treten in verschiedenen Formen auf. Sauerstoffkorrosion entsteht durch den Zutritt von Luftsauerstoff (z. B. über Leckagen, defekte Ausdehnungsgefäße oder diffusionsoffene Kunststoffrohre), der mit Eisen reagiert und Rost bildet. Galvanische Korrosion (elektrochemischer Lokalelementeffekt) tritt bei Kontakt ungleicher Metalle in einem gemeinsamen Elektrolyt auf: Dabei löst sich stets das unedlere Metall auf, während das edlere geschützt ist (z. B. löst sich in einer Kupfer-Stahl-Kombination der Stahl an). Spalt- und Lochkorrosion zeigen sich lokal in schlecht zugänglichen Bereichen (beispielsweise unter Ablagerungen oder in Dichtspalten). Hier entsteht ein aggressives Milieu, das punktuell Material abträgt – die Außenfläche wirkt oft zunächst intakt, bis plötzlich ein Leck auftritt. Erosionskorrosion tritt bei sehr hohen Strömungsgeschwindigkeiten und Feststoffanteilen auf: Das zügig fließende, heiße Wasser kann die Metalloberfläche mechanisch abtragen und so Korrosionsangriffe begünstigen. Mikrobiologisch beeinflusste Korrosion beobachtet man insbesondere in Mischsystemen oder stagnationsgefährdeten Bereichen: Sauerstoffzehrende oder sulfidbildende Bakterien können etwa Schwefelwasserstoff erzeugen, der Kupferlegierungen angreift.

Verschlammung / Ablagerungen (Mechanismus & Wirkungskette)

Verschlammbildung umfasst hauptsächlich ferritische Korrosionsprodukte (Magnetit) sowie Kalkablagerungen und Baurückstände (z. B. Metallspäne oder Flussmittelreste). Diese Partikel werden mit dem Heizungswasser transportiert und lagern sich insbesondere an Engstellen ab – z. B. in Wärmetauschern, Regelventilen oder Pumpenlaufrädern. Typische Auswirkungen sind ein starker Druckverlust (Δp-Anstieg) und damit reduzierter Volumenstrom, was zu Geräuschen, Regelungsinstabilitäten und verschlechtertem Wärmeübergang führt. Das System reagiert dann oft mit höherer Vorlauftemperatur oder Taktanpassungen der Kessel, was Ausfriergefahr und Bauteilbelastung erhöht. Magnetitschlamm verstopft zusätzlich Ventile und Pumpen oder setzt sich in Rohrquerschnitten ab – was zu deutlicher Effizienzminderung und Betriebsstörungen führt.

Abgrenzung zu „normaler Alterung“ und Gewährleistungsrisiken

Im Störfall ist zu klären, ob Korrosion bzw. Verschlammung betrieblich (FM) oder bereits in Planung/Ausführung begründet ist. Beispielsweise wäre unsachgemäßes Erst-Spülen oder falsche Materialauswahl noch Projekt-/Errichterverantwortung, während Vernachlässigung der Wasserpflege (z. B. fehlende Entgasung, nicht normgerechtes Nachspeisen) in den FM-Bereich fällt. Relevant ist dies für Mängelmanagement und Gewährleistung: VDI 2035 und Herstellerbedingungen setzen Wasserqualität als Betriebsbedingung voraus. Wird die Anlage nicht nach VDI gefüllt oder fallen notwendige Prüfungen/Dokumentationen aus, können Hersteller die Gewährleistung versagen. In solchen Fällen geht die Haftung oft auf den Betreiber über. Dementsprechend müssen FM und Projektverantwortliche bei Übergabe klare Abnahmekriterien und Protokolle sicherstellen, um im Schadensfall Nachweise erbringen zu können.

VDI 2035 als Kernregel für Heizungswasser (Praxisinterpretation im FM)

Die VDI 2035 ist die zentrale Richtlinie zur Heizungswasserqualität. Sie verfolgt das Ziel „Vermeidung von Steinbildung und Korrosionsschäden“ durch definierte Grenzwerte für Härte, pH und Salzgehalt. Aus dieser Zielsystematik leiten sich konkrete FM-Pflichten ab: Die Erstbefüllung erfolgt über aufbereitete (z. B. vollentsalztes) Wasser, Nachspeisung nur über eine zertifizierte Nachspeisestation (Systemtrenner, Druckminderer, Wasserzähler, Ionenaustauscher). Regelmäßige Wasseranalysen (Mindestparameter: pH, Leitfähigkeit, Härte) werden vorgeschrieben, da optimale Werte (z. B. pH ~8,2–9,0, Leitfähigkeit <100 μS/cm) die Anlagenlebensdauer erhöhen. Die Ergebnisse jeder Messung sind in einem Anlagenbuch zu dokumentieren (insbesondere Füllwassermenge, Härte, Leitfähigkeit, pH bei Erstbefüllung und Wiederholungsprüfungen). Wasser gilt damit faktisch als Betriebsstoff: Es bedarf eines Freigabeprozesses und laufender Prüfpläne im FM, um Betriebssicherheit und Garantiebestimmungen zu erfüllen.

DIN EN 12828 (Heizungsanlagen in Gebäuden) – Relevanz für Korrosions-/Schmutzrisiken

Die DIN EN 12828 (Planung Warmwasser-Heizungsanlagen) verweist ausdrücklich auf die VDI 2035-Vorgaben zur Wasserqualität. Darüber hinaus regelt sie Auslegung und Sicherheitstechnik (z. B. Ausdehnungsgefäß, Sicherheitsventile, Rückschlagventile, Entlüftung). Diese Komponenten beeinflussen den Sauerstoffeintrag und die Druckhaltung im System: Eine korrekt ausgeführte Druckhaltung verhindert Unterdrücke, die Luft ansaugen könnten. Für das FM bedeutet dies, bereits bei Abnahmen und Betriebsführungen zu prüfen, ob sämtliche Druckhalter, Ventile und Belüftungseinrichtungen normgerecht installiert sind. Nur so wird nach der Norm gewährleistet, dass kein unkontrollierter Sauerstoffeintrag und damit erhöhtes Korrosionsrisiko entsteht.

DIN EN 14336 (Installation und Abnahme von Warmwasser-Heizungsanlagen)

Die DIN EN 14336 regelt Installation, Dichtheitsprüfung, Funktionsprüfung und Inbetriebnahme. Sie schreibt vor, dass nach der Dichtheitsprüfung eine sorgfältige Spülung der Anlage erfolgt. Spülen wird dabei definiert als „Beseitigung von Verunreinigungen aus dem Leitungssystem und den Wärmeerzeugern“. FM sollte bei der Anlagenabnahme Checklisten verwenden, die bestätigen, dass die Anlage nach der Druckprüfung restlos gespült wurde (z. B. durch nachgewiesene Klarheit des Spülwassers oder gesunkene Δp-Werte). Erst nach erfolgreichem Spül- und Entlüftungsvorgang erfolgt die endgültige Befüllung mit aufbereitetem Wasser. Alle durchgeführten Reinigungs- und Spülmaßnahmen werden im Anlagenbuch dokumentiert, um die Anlagenreinheit nachzuweisen.

BetrSichV / TRBS & DGUV (Betreiberorganisation, Gefährdungen, Instandhaltung)

Die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) erfasst Heizungsanlagen als Drucksystem. Korrosion wird hier als Risiko für die Anlagenintegrität gewertet (Leckage mit Heißwasseraustritt), Verschlammung als Funktionsrisiko (Ausfall durch Verstopfung/Überhitzung). Gesetzlich ist daher eine Gefährdungsbeurteilung durchzuführen, die alle Gefahren (mechanisch, thermisch, chemisch) berücksichtigt. So müssen z. B. Leckagerisiken in gefährdeten Bereichen analysiert und entsprechende Schutzmaßnahmen (z. B. Lecksuchsysteme, Überdruckwächter) umgesetzt werden. Wie eine DGUV-Information 203-092 betont, sind korrosionsanfällige Bauteile während des Betriebs dauerhaft dicht zu halten. Für das FM bedeutet das: Integritätsprüfungen (z. B. Druckprüfungen) regelmäßig durchführen, Instandhaltungspläne für relevante Teile (Filter, Absperrungen, Druckgeräte) erstellen und qualifiziertes Personal bzw. akkreditierte Dienstleister einbinden. Prüf- und Dokumentationspflichten (z. B. Wiederkehrende Prüfungen gemäß BetrSichV) sind Teil des Betreiberkonzepts.

Herstellerunterlagen, VOB/C, Gewährleistung (vertragliche Nebenpflichten)

Hersteller bieten oftmals explizite Vorgaben zur Wasserqualität, zu Filtereinrichtungen und Wartungsintervallen als Betriebsbedingungen an. So wird in Herstellerhinweisen betont, dass bei Nichteinhaltung der VDI-Vorgaben und Herstelleranforderungen keine Garantie/Gewährleistung gilt. Auch die VOB/C schreibt vor, dass Arbeiten nach Stand der Technik und Herstellerangaben auszuführen sind – dazu zählt die Wasseraufbereitung nach Herstellerfreigabe. Für FM ist dies relevant, da jeder Verstoß eine Vertragsstörung bedeuten kann. Deshalb muss das FM entsprechende SOPs etablieren (etwa Freigabeprozess für Füllwasser) und lückenlose Audit-Trails pflegen, um die Einhaltung der „Betriebsbedingungen“ zu belegen und Haftungsrisiken zu minimieren.

Ursachencluster

Wesentliche Ursachen für Korrosion und Verschlammung sind im FM-Kontext oft: Wasserchemie (zu niedriger oder zu hoher pH, erhöhte Leitfähigkeit/Salzgehalt, Härte, korrosive Ionen wie Chlorid/Sulfat, fehlende Inhibitoren), Sauerstoffeintrag (über Nachspeisung, undichte Stellen, fehlendes oder unwirksames Entlüftungskonzept, Unterdruckzonen) und Hydraulik/Strömung (zu hohe Fließgeschwindigkeit, Totzonen ohne Umlauf, ungünstige Rohrführung, unzureichende Schlammabscheidung). Daneben spielen Materialmix & Komponente eine Rolle: Kombinationen aus Stahl, Kupfer und Aluminium sowie eingesetzte Dicht- oder Dämmstoffe können elektrochemische Elementpaare bilden. Auch die Betriebsweise beeinflusst Korrosionsneigung: Häufige Temperaturwechsel, Teillastbetrieb, längere Stillstände oder ein genereller Sommerbetrieb ohne Zirkulation erhöhen die Schadensanfälligkeit. Schon während der Bau- und Ausbauphase können Ursachen gelegt werden (Baustellenverschmutzung, falsches Erstbefüllen, unkontrollierte Nachspeisung).

Wirkungsketten

Typische Ausfallketten lassen sich im FM so darstellen: Zunächst erhöht sich durch Korrosion oder Schlammentwicklung der Strömungswiderstand (Δp steigt). Dadurch sinkt der Volumenstrom und die Wärmeabgabe. Die Heizungsregelung reagiert mit höherer Vorlauftemperatur oder häufigeren Kesselstarts. Dies führt zum Takten oder gar Überhitzen des Wärmeerzeugers, was die Bauteile belastet. Ebenso kann eine Korrosion, die Metall abträgt, sukzessive zu Lochfraß führen – ein Leck entsteht (Druck fällt, Nachspeisung steigt, somit gelangt mehr Sauerstoff nach, der die Korrosion weiter antreibt). Magnetitschlamm wiederum verursacht klassische Ventil- und Pumpenverblockung: Wie beobachtet wurde, setzen sich magnetische Partikel in Ventilen fest und verursachen Regelabweichungen. Dies kann zu Komfortausfällen oder kritischen Störungen führen, insbesondere in sensiblen Anlagen (Labore, IT-Umgebungen).

Kritikalitätsbewertung

Im FM werden Risiken nach ihrem Schadenpotenzial und der Häufigkeit bewertet. Kriterien sind z. B. mögliche Personen- oder Anlagenschäden durch Leckagen, Ausfallfolgen in der Wärmeversorgung, Folgekosten (Reparaturen, Reinigung), Auswirkungen auf Energieeffizienz/CO₂-Bilanz und Wiederanlaufzeiten. Kritische Assets sind oft Hauptwärmeerzeuger (Kessel, Blöcke), Pumpengruppen und große Wärmeübertrager sowie Versorgungsstränge für kritische Nutzer (z. B. IT-Räume oder Produktionslinien). Ein solcher Prioritätenkatalog hilft, Inspektions- und Wartungspläne anzupassen und Ressourcen gezielt einzusetzen.

Betriebsseitige Kennwerte

Für die Früherkennung nutzt das FM GLT/BMS-Daten und Vor-Ort-Messungen. Dazu gehören u. a. Druckdifferenzen über Filter, Abscheider oder Stränge (Δp-Trends), die auf Verschmutzung hinweisen. Auch die Temperaturspreizung (Soll-Vorlauftemp. minus Rücklauftemp.) gibt Hinweise: Ein ansteigender Rücklauftemp. bei konstantem Vorlauf deutet auf verringerte Wärmeabgabe. Die Pumpenkennlinie oder Energieaufnahme wird beobachtet: Ein zunehmender Stromverbrauch bei gleichbleibenden Betriebsbedingungen spricht für höhere Reibung oder Verstopfung. Ferner werden Ventilstellungen überwacht (Höchstausschlag bei gegebener Wärmeanforderung) sowie Störmeldungen wie „Durchfluss zu gering“ ausgewertet. Akustische Signale (Pfeifen, Klopfen) können auf Kavitation oder Luft im System hinweisen.

Wasseranalytik als FM-Prüfprogramm

Regelmäßige Wasseranalysen sind ein zentrales FM-Kennzahlwerkzeug. Als Mindestparameter gelten pH-Wert, Leitfähigkeit, Gesamthärte (wenn relevant), gelöster/gesamter Eisenanteil und Trübung (Partikelgehalt). Optional können Chlorid- und Sulfationen bestimmt werden (Hinweis auf aggressive Salze) oder spezialisierte Mikrobiologie-Checks. Die Entnahme der Proben erfolgt an repräsentativen Stellen (gut durchströmte Zapfstellen) und darf kein Stagnationswasser enthalten. Wichtig ist, nicht nur Einzelwerte zu betrachten, sondern deren Entwicklung: eine Verschlechterung über mehrere Messungen (Trend) ist ein deutliches Warnsignal. VDI 2035 fordert beispielsweise explizit die Dokumentation von Aussehen, pH, Leitfähigkeit und Gesamthärte bei jeder Analyse. Dienstleister-Analysen (z. B. spezielle „Wasseranalysen nach VDI 2035“) können sogar 20+ Parameter abdecken, um frühzeitig Ablagerungen, Korrosion oder biogene Belastungen zu erkennen.

Sicht-/Funktionsprüfungen (Instandhaltung)

Ergänzend führen Techniker regelmäßige Sicht- und Funktionstests durch. Filter und Schlammabscheider werden auf Schmutzfracht und Magnetitanteil kontrolliert und, falls gefüllt, geleert. Entlüfter/Entgaser werden auf korrektes Ausgasungsverhalten überprüft (z. B. Luftblasen-Bild), und Fehlermeldungen (z. B. „Entlüfter defekt“) werden zügig behoben. Pumpen und Armaturen werden auf Kavitation, Blockaden, Leckagen und Dichtungszustand inspiziert. Jegliche Auffälligkeiten (z. B. ungewöhnliche Geräusche, sichtbare Leckflanken) führen sofort zu weiteren Prüfungen oder Instandsetzungen.

Diagnostische Entscheidungsmatrix (wann welche Maßnahme)

Auf Basis definierter Kriterien wird entschieden, welche Maßnahme ergriffen wird. Beispiele für Kriterien sind akuter Durchflussmangel (z. B. Ventilstillstand), häufige Filterverstopfungen, steigende Eisengehalte in Proben oder wiederkehrende Ventilprobleme. Je nach Schwere und Dringlichkeit ergibt sich eine Priorisierung: Sofortmaßnahmen (Filterreinigung, punktuelle Spülung) versus geplante Aktionen (komplette Anlagenreinigung) bis hin zu Systemumbauprojekten (z. B. Nachrüstung von Abscheidern, Entgaserstationen oder zusätzlichen Nachspeiseeinrichtungen). Die Diagnosematrix gibt klare Handlungsvorgaben und Verantwortlichkeiten vor, um Eskalationen zu vermeiden und die Wirksamkeit zu prüfen.

“Wasser als Betriebsstoff” – Befüll- und Nachspeisemanagement

Das Heizungswasser wird als elementarer Betriebsstoff behandelt. Die Befüllung erfolgt nur mit freigegebenem Wasser (oft vollentsalzt oder mit Mischbettharz aufbereitet), dokumentiert durch ein Protokoll im Anlagenbuch. Jede Wasserzugabe (Nachspeisung) wird über eine zertifizierte Nachspeisestation geleitet, die Systemtrenner, Druckminderer, Wasserzähler und eine Vollentsalzungseinheit enthält. Dadurch werden VDI 2035 (Wasserqualität) und DIN EN 1717 (Trennsicherheit) eingehalten. Die Nachspeisemenge wird gemessen; ungewöhnlich hoher Verbrauch (z. B. durch verdeckte Leckage) löst einen Alarm im GLT aus. Gegebenenfalls sind vorgelagerte Enthärtungs- oder Entsalzungsanlagen installiert, um die Wasserhärte und -leitfähigkeit schon bei der Zudosierung niedrig zu halten. Damit entspricht die Wasserzuführung strengen Freigabe- und Kontrollprozessen.

Schmutz- und Magnetitmanagement

Eine gezielte Schmutztrennung ist essentiell: Magnet- oder Schlammabscheider werden in kritischen Rücklaufstrecken (insbesondere vor Wärmeerzeugern und -übertragern) eingebaut, um Magnetitpartikel und Schlammpartikel abzutrennen. Ergänzend sind mehrstufige Filterkonzepte (Grob-/Feinfilter) mit Differenzdrucküberwachung üblich. Moderne Magnetfilter erreichen sehr hohe Abscheidegrade bei niedrigem Druckverlust und sind leicht zu warten. Das FM legt Wartungsintervalle zustandsorientiert fest – d. h. nach gemessener Schmutzfracht oder Δp-Anstieg –, statt nur rein kalendarisch zu wechseln. Auf diese Weise bleiben Heizkreisläufe auch langfristig „sauber“ und schützen die empfindlichsten Komponenten.

Entgasung/Entlüftung und Sauerstoffkontrolle

Zur Sauerstoffkontrolle kommen technisch ausgefeilte Systeme zum Einsatz: Mikroblasenabscheider oder Vakuumentgasungsstationen entfernen permanent gelöste Gase, automatische Entlüfter geben Luft ab. Beispielsweise entzieht eine Servitec-Entgasungsstation (Reflex) dem Wasser kontinuierlich den Sauerstoff – laut Herstellerangaben ohne Druckeinbußen – und verhindert so Luftansaugung. Betriebsseitig wird eine stabile Druckhaltung gehalten, Vakuumsituationen (Unterdruck) werden vermieden. Regelmäßige Funktionsprüfungen aller Entlüftungs- und Entgasungsgeräte sichern die Wirksamkeit, sodass kein ungewollter Sauerstoffeintrag (und damit keine Korrosionsbeschleunigung) erfolgt.

Material- und Kompatibilitätsmanagement

Beim Materialeinsatz gibt es klare Regeln. Mischinstallationen mit korrosionsanfälligen Paarungen (z. B. Kupfer/Stahl) werden vermieden oder mit galvanisch wirkenden Trennstellen versehen. Für Aluminiumbauteile muss der pH-Wert im kleineren Fenster (ca. 6,5–8,5 bei ≤60 °C) liegen. Dicht- und Dämmstoffe, die chemisch wirken können, werden auf Unbedenklichkeit geprüft. Nach jeder Umbaumaßnahme prüft das FM, ob sich neue Totzonen oder ungeeignete Werkstoffkombinationen ergeben – und aktualisiert ggf. die Wartungsvorschriften und SOPs.

Betriebsweise und Regelungsqualität

Die Betriebsführung sollte korrosionsfördernde Bedingungen vermeiden. Längere Stillstände (z. B. in Sommerbetrieb) sind kritisch, weil sie Luftzutritt und Sedimentation begünstigen – vor längerem Ausfall empfehlen sich Spülungen und Entgasung, um wieder einen aktiven Wasserkreislauf zu schaffen. Außerdem wird der Anlagenhydraulik gezielt Beachtung geschenkt: Ein hydraulischer Abgleich verhindert Totzonen und Rückströme, optimierte Temperaturprofile vermeiden zu hohe Vorlauftemperaturen, die Korrosions- und Ausfällungsprozesse beschleunigen könnten. So trägt die Feinsteuerung der Betriebsparameter entscheidend zur Korrosionsprävention bei.

Sofortmaßnahmen bei akuten Symptomen

Bei Alarmzeichen (z. B. stark erhöhter Filter-Δp, Alarm „Durchfluss zu gering“, rote Rücklauftemperatur) werden sofort Gegenmaßnahmen ergriffen: Filter und Schlammabscheider werden gereinigt oder entleert, betroffene Rohrstränge lokal gespült, und wenn nötig temporäre Bypässe installiert (ohne Betriebsvorschriften zu verletzen). Gleichzeitig wird die Druckhaltung stabilisiert (gegebenenfalls manuell Pumpen nachspeisen) und der Nachspeisewasserverbrauch eingegrenzt (Leckortung). Ziel ist, die Anlage sofort wieder in einen sicheren Betriebszustand zu bringen.

Systemreinigung und Spülkonzepte

Für tiefergehende Verschlammung folgt ein geplantes Spülprojekt: Die Einsatzziele werden definiert (z. B. Wiederherstellung der Δp-Grundlinie, Partikelfreiheit) und die Anlage ggf. in Spülabschnitte aufgeteilt. Dann werden Spülsequenzen durchgeführt (z. B. mit Hochdruckpumpen, Luft-/Wasser-Spülung), um gelöste Partikel abzuführen. Der Erfolg wird über Messungen dokumentiert (Klarwasser-Trübung, Δp nach Spülung). Anschließend findet die Wiederinbetriebnahme statt: Die Anlage wird neu befüllt, gegebenenfalls mit Wasseraufbereitung, und vollständig entgast. Alle Arbeitsschritte und Wasserwerte werden genau protokolliert und abgezeichnet, damit die Anlage frei von Fremdpartikeln übergeben werden kann.

Chemische Behandlung/Inhibitorik

Chemische Zusätze (Korrosionsinhibitoren) können ergänzend genutzt werden. Vor Anwendung prüft das FM die Zulässigkeit: Gibt es Herstellervorgaben, ist die Korrosivität auf eingesetzte Werkstoffe abgeklärt, existieren Umwelt- und Entsorgungskonzepte? Bei Freigabe erfolgt die Dosierung exakt nach Vorgabe und mit begleitender Überwachung (Wirkstoffspiegel im Wasser, pH, Leitfähigkeit). Die Maßnahme wird akribisch dokumentiert. Solche „Schnelllösungen“ in Form von Inhibitor-Zugaben sind jedoch nur Hilfsmittel – die Wurzelursachen (Sauerstoffeintrag, Fehlhydraulik) müssen parallel adressiert werden, um eine dauerhafte Abhilfe zu erzielen.

Austausch/Revision geschädigter Komponenten

Sind Schäden irreparabel (z. B. Lochfraßverdacht, wiederholte Lecks, deutliche Wirkungsgradminderung von Wärmetauschern), erfolgt der Austausch. FM plant dabei Ersatzteilbevorratung und termingerechte Stillstandsfenster ein. Nach dem Austausch wird akribisch dokumentiert (Fotos, Messprotokolle) und die Anlage nochmals gespült/gefiltert. Erst danach wird die Anlage neu befüllt und in Betrieb genommen. Diese Sorgfalt stellt sicher, dass keine Reste des Schadens in der Anlage verbleiben.

RACI-Logik für den FM-Prozess

Die Verantwortlichkeiten verteilen sich nach RACI: Der Betreiber/Objektverantwortliche genehmigt Budget und Strategien, gibt Freigaben für Maßnahmen und priorisiert Risiken. Das technische FM übernimmt operativ Monitoring (GLT-Auswertung, Prüfpläne), erstellt SOPs und Betriebsanweisungen, steuert Dienstleister und pflegt die Dokumentation. Dienstleister (SHK, MSR, Analytik) führen Probenahme, Wasseranalysen, Reinigungs- und Instandhaltungsarbeiten durch und liefern Prüf- und Messprotokolle. Die Sicherheitsabteilung/HSE erstellt die Gefährdungsbeurteilung, prüft die Organisation (z. B. für Heißarbeiten oder Chemikalieneinsatz) und schult Mitarbeiter. Bei Planungs- und Ausführungsfragen (z. B. Beseitigung von Mängeln nach Errichtung) wirken Ingenieure und Errichter mit und liefern Abnahmeprotokolle.

Kompetenz- und Qualifikationsanforderungen

Klare Qualifikationsanforderungen gelten für alle Beteiligten: Probenahme- und Analysepersonal muss über entsprechende Analytik-Fachkenntnisse oder Akkreditierungen verfügen. Wartungstechniker sollten in Verfahren wie Spülen und Filterung geschult sein und deren Wirkung verstehen. Bei chemischen Maßnahmen sind Kenntnisse zu Gefahrstoffen und Umweltschutz zwingend: Unterweisungen und Betriebsanweisungen (inkl. Entsorgung) sind erforderlich. Regelmäßige Auffrischungen, Trainings und ein Qualifikationsnachweis sorgen für konsequente Umsetzung aller Prozesse.

Mindestdokumentation (VDI 2035-orientiert, betrieblich übersetzt)

Die erforderliche Basisdokumentation umfasst: Protokolle über Befüllung und Nachspeisung (inklusive Mengenangaben), alle Wasseranalysen (pH, Leitfähigkeit, Härte usw.) sowie Freigaben und Abweichungsberichte. Wartungs- und Reinigungsnachweise (Filterwartung, Abscheiderentleerung, Entgasungstests) sind chronologisch abzulegen. Ergänzend werden Trenddaten aus GLT/BMS (Δp-Verläufe, Nachspeisemengen, Störmeldungen) gesichert. Für Anlagen über 50 kW sieht VDI 2035 ein Anlagenbuch vor, in dem Füllwassermenge, Härte, Leitfähigkeit, pH beim Erstbefüllen und bei jeder Wiederholungsprüfung festgehalten werden.

Abweichungsmanagement

Jeder Wasserwert außerhalb der Grenzwerte oder jede signifikante Verschlechterung gilt als Nichtkonformität. Für solche Abweichungen sind formelle Korrektur- und Vorbeugemaßnahmen (CAPA) zu initiieren: Verantwortliche und Fristen werden festgelegt und die Maßnahmen auf ihre Wirksamkeit hin geprüft. Beispielsweise kann bei ständig überschrittenen Eisenwerten eine Systemspülung angeordnet werden. Alle Abweichungen und die ergriffenen Gegenmaßnahmen werden dokumentiert, um bei Audits oder Schadensfällen nachvollziehbar zu sein.

Schnittstelle CAFM/IWMS und Anlagenbuch

Im CAFM/IWMS wird die Anlagenstruktur abgebildet: Schlammabscheider, Filter, Entgaser sind als eigene Assets mit Wartungsplänen angelegt. Dies ermöglicht eine vollständige Rückverfolgbarkeit: Jede Störung wird mit den entsprechenden Maßnahmen und Kosten verknüpft. Ein Audit-fähiges Anlagenbuch verbindet Störungen → Maßnahmen → Kosten → Verfügbarkeitskennwert (z. B. Ausfallzeiten) und liefert so entscheidende KPIs für Lebenszyklusanalysen und Reporting.

Technische KPI

Typische technische Kennzahlen umfassen: die Nachspeisemenge (Liter/Monat), bezogen auf das Gesamtsystemvolumen (gibt Hinweise auf verdeckte Lecks oder Siedephänomene). Über die Druckdifferenz an Filtern/Abscheidern wird die Verschmutzungsrate quantifiziert (inkl. Anzahl Filterspülungen oder -wechsel). Eisen- und Trübungstrends im Heizungswasser zeigen schleichende Korrosion an, ebenso wie pH- und Leitfähigkeitsstabilität über die Zeit. Zusätzlich können Pumpenstromaufnahmen oder Ventilhübe gemessen werden, um innerbetriebliche Veränderungen früh zu erkennen.

Wirtschaftliche KPI

Als wirtschaftliche Kennzahlen dienen Energieverbräuche (z. B. Pumpenleistung, Taktzahl der Wärmeerzeuger). Ein überhöhter Pumpenstrom kann auf erhöhte Reibung hindeuten. Ausfallzeiten infolge von Störungen, sowie Folgekosten (Ersatz von Ventilen, Pumpen, Wärmeübertragern) werden erfasst. Demgegenüber stehen die Kosten für präventive Maßnahmen (z. B. Reinigungskosten) – daraus kann eine TCO-Rechnung (Total Cost of Ownership) abgeleitet werden, die etwa zeigt, wie viel eingespart wird, wenn größere Schäden vermieden werden.

Compliance KPI

Beispielhafte Compliance-Kennzahlen sind: Anteil fristgerecht durchgeführter Wasseranalysen (Soll/Ist), Quoten geschlossener CAPA-Fälle innerhalb der Vorgabezeit oder Anzahl erkannter Audit-Feststellungen. Diese KPIs belegen, dass das Verfahren eingehalten wird, und fließen in interne sowie externe Audit-Reports ein.

Risiko-/Kontrollmatrix (Beispielstruktur)

Risikoereignis

Typische Ursache

Frühsignal

Primäre Kontrolle

Reaktive Maßnahme

Nachweis/Dokument

Sauerstoffkorrosion

Leckage/ Nachspeisung/ Unterdruck

↑ Nachspeisemenge, ↑ Eisen

Druckhaltung, Dichtheitsmanagement, Entgasung

Leckortung, Wasserprogramm stabilisieren

Nachspeiseprotokoll, Analyse, CAPA

Verschlammung/Magnetit

Korrosionsprodukte/ bauliche Rückstände

↑ Δp, Ventilfehlerrate

Abscheider/Filter mit Δp-Messung

Spülen/Reinigung, Upgrade Filter

Reinigungsnachweis, Δp-Trend

Galvanische Korrosion

Werkstoffmix

Lokale Leckagen, Partikel

Materialmanagement, Trennstellenkonzept

Austausch/Umrüstung

Materialliste, Umbauabnahme

Prüf- und Wartungsplan

Prüfumfang

Methode

Intervall

Auslöser für Verdichtung

Verantwortlich

Dokument

Wasseranalyse Basisparameter

Probenahme/Analyse

quartalsweise bzw. halbjährlich (objektabhängig)

Trendverschlechterung, Störung

Techn. FM/Analytik

Analysebericht

Filter/Abscheider

Sichtprüfung/Entleerung/Δp

monatlich (Startwert)

Δp-Grenzwert, Schmutzfracht

Wartungsdienstleister

Wartungsprotokoll

Nachspeisestation

Mengencheck/Alarmtest

monatlich

Nachspeisemenge > Schwelle

Betreiber/Techn. FM

GLT-Log/Protokoll

Implementierung als FM-Standardprozess

  • SOP 1: Befüllung & Wasserfreigabe: Freigabekriterien (zulässige Parameter), Probenahmepunkte, erforderliche Dokumente (Anlagenbuchführung).

  • SOP 2: Nachspeisung & Leckageindikatoren: Nachspeisevolumina und Alarmgrenzen, Verantwortliche, Eskalationsstufen bei Überschreiten.

  • SOP 3: Schmutzmanagement: Grenzwerte für Δp-Filterschließung, Entleerlogik der Abscheider, Ersatzfilterkonzept.

  • SOP 4: Abweichung & CAPA: Rollen (Verantwortliche), Fristen, Dokumentation und Wirksamkeitsprüfung aller Korrekturmaßnahmen.

  • SOP 5: Reinigungsprojekt: Ablaufplanung (Ziele, Bereiche), Durchführungsvorschrift (Spülsequenz, Probenahme), Abnahmecheckliste, Re-Commissioning-Protokoll.